Warum sollte ich Zinsinstrumente einsetzen?
Derivate bieten viele Vorteile, die Sie mit klassischen Finanzierungslösungen bzw. Methoden nicht unmittelbar erzielen. Die Möglichkeit, frühzeitig variable Zinsausgaben zu deckeln oder ältere, relativ teure Festzinsvereinbarungen an marktgerechtere Niveaus anzupassen, gehören zu den seit Jahrzehnten bekannten Einsatzmöglichkeiten von Zinsderivaten. Beide Beispiele zeigen, dass bereits kontrahierte Finanzierungen (Grundgeschäfte) nicht angefasst werden müssen. Für einen konservativen Finanzleiter wird die Position „Zinsaufwand“ besser steuerbar, ähnlich zu anderen operativen Kostenpositionen in der GuV.
Bisher ging es doch auch ohne Derivate!
Risikoloses Finanzmanagement ohne Finanzinstrumente gibt es nicht und wird es auch nie geben! Die Finanzkrise hat in anderen Wirtschaftsbereichen z.B. beim Stahl- oder Dieseleinkauf deutlich gezeigt, dass rein operative Maßnahmen zu geringe Flexibilität bieten bzw. keine absolute Kalkulationssicherheit in Cashflows mit sich bringen. Ohne „geht“ zwar, aber immer mehr Marktteilnehmer sind sich der Vorteile bewusst, und die Anhängerschaft nimmt täglich zu. Die Stabilität der Zins- und Währungsmärkte soll auch in den Finanzabteilungen eher als „Aktivum“ und nicht als „Verbindlichkeit“ verstanden werden. Die Frage an sich - „Wann steigen oder sinken die Zinsen?“ – zeigt, dass nur mit Derivaten eine zeitnahe Antwort gegeben werden kann.
Es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten für Derivate:
- Zur Sicherung eines absolut niedrigen Zinsniveaus für zukünftige Kreditinanspruchnahmen.
- Zur Absicherung von Krediten, die zur Erhaltung der Flexibilität variabel abgeschlossen wurden, gegen steigende Zinsen.
- Zur Verbilligung und Optimierung von Kreditzinsen.
- Zur Optimierung bestehender Kurzfristanlagen, welche verfügbar bleiben sollen, aber dennoch eine attraktivere Verzinsung abwerfen sollen.
- Zur Optimierung bestehender längerfristiger Vermögensanlagen, die nicht veräußert werden sollen, aber dennoch derzeit unattraktive Erträge erwirtschaften.
Derivate sind riskant, haben ein schlechtes Image und ich möchte nicht den Anschein eines Zockers erwecken.
In der Presse aber auch auf der politischen Ebene wird der Einsatz von Finanzinstrumenten häufig als Spekulation tituliert. Dies greift zu kurz. Das schlechte Image oder die Verbindung mit Zockerei kommt also vielfach vom falschen Einsatz von Derivaten oder einfach vom Unverständnis der Personen. Absicherung bedeutet, dass ein „spekulatives“ Grundgeschäft mit einem Finanzinstrument in Verbindung gebracht wird und somit durch einen gegenseitigen Ausgleich etwas „Nicht Spekulatives“ entsteht. Nur beim Fehlen des korrespondierenden Grundgeschäftes kann beim isolierten Einsatz von Finanzinstrumenten von Spekulation gesprochen werden. Ein Vorliegen des Grundgeschäftes ist beim absolut überwiegenden Anteil der Unternehmen jedoch die Regel.
Durch einen transparenten Beratungsansatz und möglichst ausführliche Aufklärungsgespräche soll dem jedoch vorgebeugt werden. Wie beim Autofahren ist der Erwerb eines „Zinsführerscheins“ durch Schulungen etwas, das nicht nur den Beifahrer positiv stimmt.
Ich habe keine Zinsmeinung!
Eine fehlende Zinsmeinung bedeutet grundsätzlich nicht, dass ich Zinsen nicht beobachte oder notwendige Maßnahmen für mehr Zinssicherheit unterlasse. Zinsen kennen grundsätzlich drei Richtungen: nach oben, nach unten und seitwärts. Wann sie eine bestimmte Richtung einschlagen, ist auch für so manchen Experten nicht genau vorhersehbar. Die Praxis bietet aber auch hier Auswege. Eine systematische, von subjektiven Meinungen freie Vorgehensweise, bei der in festgelegten zeitlichen Abständen ein Sicherungsgeschäft getätigt wird, kann eine Lösung sein.
Derivate sind komplex und undurchschaubar!
Derivate können komplex sein, müssen es aber nicht. Der überwiegende Teil der Zinsderivate ist hochtransparent sowohl in der Ausgestaltung aber auch in der Preisfindung. Jene Instrumente ohne eindeutige Verbindung zum Börsenpreis sollten naturgemäß mehr Beratung mit sich ziehen. So kommt es darauf an, ob neben dem erhofften Nutzen dieses komplexen Produkts solche Instrumente in Eigenregie bzw. von sachkundigen Dritten abgebildet werden können.
Ich befürchte eine falsche Entscheidung zu treffen!
„Richtig oder falsch – was ist die Messgrösse für eine Entscheidung? Im Falle einer Entscheidungsunsicherheit könnten Sie anfänglich festlegen, was die zu erreichenden Mindestziele im Zinsmanagement sind. Zum Beispiel ein maximaler Kalkulationszins von 3% über die nächsten 5 Jahre. Möglich ist auch, eine Sicherung in Tranchen bzw. in zwei oder mehr zeitlichen Schritten durchzuführen oder Produkte mit anderer Ausgestaltung beizumischen. Auch gilt im Wirtschaftsleben: „Wer um Rat bittet, sucht fast immer einen Komplizen.“ Letztlich sollte die nie vollständig zu beseitigende Unsicherheit nicht zur Passivität verleiten - Nichthandeln ist ebenfalls eine Form von Handeln, nur nicht zwingend die optimale.“
Vorgesetzte lehnen solche Geschäfte ab!
„Ablehnung bedeutet, dass aus einem subjektiven Blickwinkel Alternativwege möglich scheinen. Finanzinstrumente sind vor 25 Jahren entstanden, weil es keine guten Alternativen gab! In vielen Fällen werden die Instrumente ohne Gesamtwirkung mit dem Grundgeschäft präsentiert und können den Entscheider dann berechtigterweise vorsichtig machen. Auch kann der Grund eines Nicht-Tuns nicht nur bei den Instrumenten liegen. Häufig werden Themen wie Bilanzierungsregeln vorgeführt oder man fühlt sich noch nicht umfassend informiert. Der Einsatz von Finanzinstrumenten macht dann am meisten Sinn und ist auch Vorgesetzten am besten vermittelbar, wenn das operative Geschäft durch veränderliche Marktpreise Verluste oder Konkurrenznachteile erleiden kann. “

